Europaweite Studie offenbart die Deutsche Haltung zum Plagiarismus

Die Expertin für Plagiarismus, Debora Weber-Wulff, wird anlässlich einer großen europaweiten Konferenz kommenden Monat im Mittelpunkt stehen. Zusammen mit der Wissenschaftlerin Jude Carroll wird sie im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung in Tschechien in eine lebhafte Debatte treten.

Die Konferenz stellt den Höhepunkt des Projekts „Impact of Policies for Plagiarism in Higher Education across Europe (IPPHEAE)" (Auswirkung von Richtlinien für Plagiarismus in der europäischen Hochschulbildung) dar, in das alle 27 Länder der EU involviert sind.

Studenten, akademisches Lehrpersonal und Führungsstäbe deutscher Universitäten und Fachhochschulen wurden zu ihrer Haltung sowie Erfahrungen mit Plagiarismus befragt.

Die vorläufigen Daten aller teilnehmenden Länder werden am 12. und 13. Juni auf der Konferenz, die von Turnitin, dem weltweiten Führer für Plagiarismus- und Originalitätsprüfung in Bildungsinstituten, gesponsert wird, präsentiert.

Gill Rowell, akademische Beraterin für Turnitin und Plagiarism Advice, wird während der von der Mendel Universität in Brno veranstalteten Konferenz einen Vortrag halten.

Sie sagte: „Wir sind stolz darauf, diese Konferenz und das dreijährige IPPHEAE Projekt mit seinen Forschungsrichtlinien, Vorgehensweisen und Tools zur Aufdeckung von Plagiarismus zu unterstützen.

Wir möchten das Bewusstsein und die unterschiedlichen Einstellungen zu diesem Thema festhalten und Europa zu einer möglichst allumfassenden Sichtweise verhelfen.

Vorangegangene Recherchen haben ergeben, dass Plagiarismus ein ernstzunehmendes globales Problem darstellt. Daher ist es enorm wichtig, die Herangehensweisen der unterschiedlichen Länder miteinander zu vergleichen.

Die Ergebnisse werden Universitäten und Colleges weltweit zur Verfügung gestellt und könnten durchaus Auswirkungen auf internationale Bildungsstrategien haben.

Die Debatte zwischen Debora und Jude verspricht, einer der Höhepunkte der Konferenz zu werden."

Dr. Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der Universität für Angewandte Wissenschaften in Berlin, liefert regelmäßig Beiträge zu VroniPlag Wiki, der Website, die verschiedene Plagiatsfälle hochkarätiger Persönlichkeiten ans Licht gebracht hat.

Darunter auch den von Annette Schavan, Bildungsministerin in Deutschland, der vorgeworfen wurde, Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Das IPPHEAE Projekt hat darüber hinaus anonyme Umfragen, fünf Fokusgruppen sowie über 20 Studenteninterviews durchgeführt.

Mehrere Akademiker berichteten über fehlende institutionelle Richtlinien für Plagiarismus in ihrem Land. Einer von ihnen beschrieb die Situation als „kein Thema in Deutschland", ein weiterer verglich sie mit „einem Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt".

Obwohl nur einer von zehn befragten deutschen Studenten zugab, entweder absichtlich oder versehentlich abgeschrieben zu haben, behauptete ein weiterer Plagiatsexperte, dass aktuellen, unveröffentlichten Studentenumfragen zufolge bis zu 40 % zugegeben hätten, regelmäßig bereits vorhandene Quellen ohne Zitat und Quellennachweis zu kopieren.

Ein anderes Mitglied des Führungsstabs räumte ein: „Plagiarismus ist zweifelsohne auf dem Vormarsch, und die Professoren bestätigen das."

Die Projektleiterin Irene Glendinning fügte hinzu: „Jeder Befragte in den deutschen Interviews und Studenten-Fokusgruppen berichtete über Fälle von hochkarätigen Persönlichkeiten, denen in Wiki Blogs Plagiarismus bei ihren Doktorarbeiten vorgeworfen wurde.

Aus den Interviews und Fokusgruppen dieser Forschung geht eindeutig hervor, dass solche Fälle die Aufmerksamkeit vor allem in der deutschen Hochschulbildung, aber auch weltweit auf das Thema Plagiarismus lenken."

Weitere Informationen und Angaben zur Registrierung für die Veranstaltung finden Sie unter: ippheae.pefka.mendelu.cz